Donnerstag, 30. Januar 2014

Egokind Interview with Style Magazin || Traum V172 Egokind "Diamond Days"


Gitarrenkind im Herzen

Lesefaul? Hier gehts zur Videoversion des Interviews mit Egokind: http://slyle-magazin.de/blog,298

Die Clubwelt kennt Jan bestens. Als Egokind tourt er nachts durch die Republik. Mit Autorin Anita plauderte er noch über andere Welten, Crushed Ice in seinen Liedern und darüber, warum Weihnachten für ihn diesmal erst im Februar sein wird.


Wann bist du ein Egokind?
Immer wenn ich wach bin. Ego und Egoismus klingt ja immer negativ. Aber da gibt es verschiedene Betrachtungsweisen. Ich sehe den positiven Egoismus.

Wärst du denn ohne dein Ego da, wo du heute bist?
Ja. Ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich sogar nicht. Dazu müssten wir jetzt in eine Parallelwelt schauen, ob sich die verschiedenen Stränge genauso entwickelt haben und dann einen Vergleich machen, ob ich mich in der Parallelwelt auch hier sehen würde, oder ob ich noch ganz woanders bin.

In dieser Welt bist du auf jeden Fall ein ziemlich bekannter DJ und Musiker. Wann kam für dich der Punkt an dem dir klar wurde: „Hoppla, ich bin berühmt“? Gibt es den?
Ich weiß nicht, ob ich mich als berühmt bezeichnen würde. Wahrscheinlich eher nicht. Irgendwie war das ein fließender Übergang. So viel hat sich auch nicht verändert. Ich bin immer noch der, der im Studio sitzt und seine Lieder macht und die dann abends spielt. Es sind natürlich mehr Auftritte geworden, aber das, was ich jeden Tag mache, ist so geblieben, wie es schon lange ist.

Was macht für dich den Reiz elektronischer Musik aus?
Ich bin in diesem elektronischen Bereich noch gar nicht so lange. Eigentlich komme ich aus dem Indie-Bereich. Ich habe ziemlich lange in einer Rockband gesungen und Gitarre gespielt, zu meiner rebellischen Teenagerzeit, und nur Nirvana gehört. Erst vor drei Jahren oder so habe ich die elektronische Musik für mich entdeckt. Eigentlich ziemlich spät, wenn man in Berlin wohnt. Das ist fast schon peinlich, mit 19 oder 20 erst anzufangen, Techno zu hören…

Wieso der Wechsel?
Man arbeitet viel alleine und es ist eine gute Möglichkeit, die komplett individuelle Welt, die sich im eigenen Kopf abspielt, auszudrücken. Das hat man in einer Band häufig nicht. Und weil man viel mit Sound arbeitet, nicht nur auf tonaler Ebene mit coolen Akkordfolgen, sondern mit dem anderen großen Bereich der Geräusche. Man kann Klänge einsetzen, die Emotionen hervorrufen, und nicht unbedingt nur Melodien. Den Teil finde ich immer noch ziemlich spannend.

Gerade hast du von der Welt in deinem Kopf gesprochen. Auf der Website deines Labels Kallias steht über dich geschrieben: „Er ist der Designer einer bunten Welt berauschender Melodien und eindringlicher Beats.“ Was ist sonst noch so in deiner Welt drin?
In meiner berauschenden Beat-Welt? Viel. Ziemlich viel. Da bräuchten wir jetzt wahrscheinlich eine halbe Stunde oder länger. Man kann so detaillreich werden! In meinen Liedern sind viele Sachen, die man überhaupt nicht hört, von irgendwelchen vorwärts gespulten Gesprächen, die ganz leise im Hintergrund ablaufen, bis hin zu Crushed Ice, in dem ich mit einem Löffel rumwühle oder Klopfgeräuschen aus dem Nebenraum. Wahrscheinlich sind diese Geräusche nur für mich. Ich bin der Erzeuger und sehe das dann schon fast esoterisch, dass es dem Ganzen noch etwas gibt. Im Endeffekt ist es eine Kollage aus verschiedenen Geräuschen und Orten. Das ist der große Unterschied von elektronischer Musik zu klassischer Bandmusik.

Du studierst Audiodesign. Geht man da anders an die Musik ran?
Ich glaube schon. Zum Teil hat es positive Auswirkungen, zum Teil hemmt es aber auch. Früher habe ich nicht so viel nachgedacht, sondern einfach gemacht. Die spontanen Ideen, die so aus einem herauskommen, sind meistens sogar die cooleren. Momentan gibt es diese Momente gar nicht mehr so häufig, weil man direkt anfängt zu denken. Dieses ganze technische Produktionswissen macht die Sachen zum Teil eher klinischer als lebendiger. Das kenne ich von vielen, die sich sehr lange mit der technischen Produktionsseite beschäftigt haben. Dass der Sound häufig ein bisschen zu perfekt wird, sehe ich total als Gefahr, weil es dadurch droht, langweilig zu werden.

Vor ein paar Jahren hast du einen wunderschönen Julia Stone-Remix gemacht. Durch den bist du richtig bekannt geworden. Wie bist du genau auf diesen Song gekommen?
Das ist jetzt wirklich lange her. Das lustige ist, dass es das schnellste Lied ist, das ich je gemacht habe. Es ist kurz an einem Abend mal entstanden, vor irgendeinem Auftritt, weil ich das Original eine Woche zuvor entdeckt habe und es gerne spielen wollte. In den nächsten Tagen habe ich es dann nur noch ein bisschen aufpoliert. Damit habe ich aber eigentlich schon total abgeschlossen. Mittlerweile habe ich eine ganz andere Version davon, die ich noch manchmal spiele. Ich finde es immer noch schön, aber es ist ziemlich weit weg von dem, was ich momentan mache oder wo ich hin möchte.

Woran arbeitest du denn gerade?
Anfang Februar kommt eine EP mit sechs Tracks von mir als Egokind raus. An der saß ich echt ewig, da fiebere ich jetzt total hin. Weihnachten ist für mich diesmal erst Anfang Februar.

Was erwartest du dir sonst so 2014?
Ich plane eine Indie-Band mit einem Freund von mir, was echt gar nicht mehr so viel zu tun hat mit der Clubwelt. Eigentlich ist das etwas, das ich schon die ganze Zeit mache. Lustig, dass dieses „Ich sitz allein vorm Rechner und mach Sachen“ in den letzten zwei, drei Jahren so gewachsen ist. Im Herzen bin ich doch auch ein Gitarrenkind. Das möchte ich nächstes Jahr mal wieder ausleben. Wir haben vor, uns im Februar für längere Zeit ins Studio zurückzuziehen.

Hast du denn schon Pläne für Silvester?
Da bin ich in Hamburg. Die letzten Jahre wollte ich immer in Berlin bleiben, aber diesmal habe ich mich dazu entschlossen, doch mal wegzufahren. Ich habe dort einen Auftritt. Ja… das wird glaube ich lustig. Im Endeffekt ist es auch nur ein Abend wie jeder andere. Es wird dadurch besonders, dass jeder in so einer anderen Stimmung ist, und Großartiges erwartet. Und dann sind immer alle enttäuscht. Aber diesmal wird’s super.

Magst du uns zum Abschluss noch deine Musik in drei Worten beschreiben?
Ohje. Verspult, melodieverliebt und… kann ich auch eine Lücke lassen? Oder ich mach sowas wie „bewusst leergelassen“.

Egokind on Traum Schallplatten - Release Date 03rd February 2014


Traum V172 Egokind "Diamond Days"




Diamond Days Tour Dates - February - March 2014


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