Dienstag, 28. Januar 2014

Egokind Interview by trndmusik - April 13

Original Interview by trndmusik.de published on 09. April 2013

Egokind (Kallias): "Berlin ist trotz des Überangebots an Musikern ein ziemlich cooler Ausgangspunkt"

Obwohl der 22-jährige Berliner Jan aka Egokind derzeit jedes Wochenende gebucht ist und durch die Republik tourt, bestätigen seine Freunde, dass er ganz der Alte geblieben ist. Das könnte auch an der “unsterblichen Liebe zum Lärm” liegen, von der Jan schon lange begleitet wird. Mit “Dreamer” steht der Kallias-Künstler in den nächsten Startlöchern und wartet nur darauf sein Publikum mit der neusten EP verzaubern zu können. Im trndmusik-Interview spricht Jan über die deutsche Hauptstadt, seine Musik, sein Studium und dass er vielleicht bald eine kreative Schaffenspause einlegen wird.
trndmusik: Jan, Du bist erst 22 Jahre jung. Wie fühlt es sich an, in so jungem Alter vor tausenden von Leuten deine Musik zu spielen?
Egokind: Ziemlich gut natürlich, obwohl es manchmal immer noch ein wenig ungewohnt ist. Bevor mich die elektronische Musikwelle überrollt hat, hatte ich noch meine Band. Da waren wir immer schon total glücklich, wenn die 100-Gäste-Grenze mal überschritten wurde.
trndmusik: Welche Kenntnisse aus dem Studium in Audiodesign kannst Du mit in deine Produktionen einfließen lassen?
Egokind: Es gibt ziemlich viele Faktoren, die besonders im Verlauf des letzten Jahres meinen gesamten Bezug zu Musik ziemlich stark verändert haben. Neben dem ganzen technischen Studio-Nerd-Wissen und der Beschäftigung mit Musiktheorie und Komposition spielt aber vorallem der Punkt eine große Rolle, dass man fast jeden Tag von Leuten umgeben ist, die sich wirklich nur mit Sound beschäftigen, sei es Mitstudenten oder Dozenten. Besonders der Austausch mit Personen, die eigentlich aus ganz anderen Musikrichtungen kommen oder sich zum Beispiel eher mit klassischer Musik beschäftigen, hat mir einfach ganz neue kompositorische oder produktionstechnische Ansätze gezeigt, die eben gar nicht aus der Clubmusik kommen.
trndmusik: Techno und generell die elektronische Musik faszinieren Dich. Welche Musikrichtung hast Du davor gehört?
Egokind: Ich komme ursprünglich eher aus der Gitarrenecke und bin immer noch großer Fan von Bands wieSonic Youth oder Dinosaur Jr. Vielleicht kommt daher auch meine unsterbliche Liebe zu Lärm und möglichst krass verzerrten Sounds.
trndmusik: Gibt es musikalische Vorbilder, von denen Du Dir noch etwas abschauen kannst? Wenn ja, nennst Du mir sie?
Egokind: Im elektronischen Bereich begeistern mich zur Zeit hauptsächlich Künstler, die einen wirklich eigenen Produktionsstil haben, wie James HoldenNathan FakeFour Tet oder Burial, um jetzt mal ein paar von den größeren Namen zu nennen. Vor allem eben Leute, die eher abseits der DJ- und Partysezene existieren und eben einfach ihren eigenen Film fahren.
trndmusik: In einem anderen Interview sagst Du, dass Du nie aus Berlin weggehen würdest. Warum nicht?
Egokind: Also, das ist ja schon ein wenig her und so radikal sehe ich das mittlerweile nicht mehr. Wenn man mir irgendwo am Meer eine Villa mit einem Tonstudio reinbauen würde, dann wär ich vielleicht gar nicht so abgeneigt. Berlin ist meiner Meinung nach trotz des Überangebots an Künstlern und Musikern einfach ein ziemlich cooler Ausgangspunkt für das, was ich machen möchte.
trndmusik: Meinst Du nicht, dass man auch schnell untergehen kann als Künstler? Gerade in der Hauptstadt.
Egokind: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nie so wirklich Gedanken gemacht. In unserer heutigen Internetzeit ist es erstmal gar nicht unbedingt so schwierig, einen gewissen Grad an Präsenz und Aufmerksamkeit zu erreichen. Vieles kann sich auf einmal durch diese Art “Hype-Effekt” sehr schnell verbreiten und dann genauso schnell wieder in Vergessenheit geraten. Ich bin da jetzt einfach mal so blauäugig zu behaupten, dass Qualität und die Bereitschaft zu musikalischer Weiterentwicklung immer ihren Weg finden werden.
trndmusik: Kallias ist gerade in aller Munde, präsent und alle Partys immer voll. Was meinst Du, woran das liegt?
Egokind: Kallias ist einfach ein ziemlich freshes und vorallem motiviertes Kollektiv aus Freunden, Veranstaltern, Bookern und Künstlern. So einfach ist das dann auch schon.
trndmusik: Wie reagieren deine Freunde darauf, dass du gerade so „steil“ gehst?
Egokind: So unglaublich stark haben sich die meisten Beziehungen jetzt nicht verändert. Ich bin ja auch wirklich alles andere, als der Diva-Klischee-DJ, den man sich so vorstellt. Anstrengend ist aber manchmal schon, dass ich an den Wochenenden häufig nicht da bin.  Und ab bin ich so ein bisschen schlafentzugsmäßig und leicht abwesend unterwegs.
trndmusik: An welchen derzeitigen Produktionen sitzt du? Was passiert dieses Jahr alles noch bei dir?
Egokind: Neben Remixen für die kanadische Songwriterin “Valery Gore” und die Bielefelder Band “The Von Duesz”, die demnächst veröffentlicht werden, spiele ich momentan mit der Idee ein Album zu produzieren. Dafür würde ich mich dann für längere Zeit mal ein wenig zurückziehen und nächstes Jahr eine Art rauschendes Gesamtkunstwerk rausbringen. Außerdem produziere ich zur Zeit zusammen mit einem Freund von mir unter dem Namen “St Noise” elektronische Musik, die sich ein wenig gegen die Alltags-Techno-House-Welt stellt. Ebenfalls sitzen wir momentan an einem Album und werden in Zukunft häufiger als Liveact auftreten.

Upcoming Release


EGOKIND - Diamond Days

Traum V172

Release Date: 03rd February 2014

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