Freitag, 1. November 2013

Traum Interview mit Ryan Davis - neue EP "State Of Mind" (Traum V169)


In diesen Tagen erscheint die neue 12" mit dem Wahlberliner  Ryan Davis, der zu den wenigen bekannten deutschen Musikern zählt, die Teil der Techno Community sind und dennoch  eine  Sensibilität nach aussen vertreten die wenig mit dem deutschen Massenphenomen Techno zu tun hat.




Es ist das fünfte Release mit Traum wenn man deine Veröffentlichung mit Electric Rescue mit einbezieht, man kann aber auch sagen die erste Maxi nach dem Album die von Dir alleine kommt!


:::01 Was bedeutet die aktuelle Maxi für dich?

Die STATE OF MIND EP ist die erste 100% eigene Produktion nach dem Album, weil ich nach dem Longplayer erstmal alles gesagt hatte, was zu sagen war.
Danach gab es eine Pause, Reisen und Kollaborationen mit Leuten wie Electric Rescue, Pan/Tone, Undo, Applescal und auch Max Cooper. Die Produktion mit den verschieden Künstlern hat Spaß gemacht - verschiedene Herangehensweisen und Arbeitsumfelder. Jeder hat bereits seinen eigenen Stil und Charakter was es spannend macht zu sehen ob es auch zu zweit funktioniert. Durch die Zusammenarbeit habe ich wieder zu meinem eigenen, persönlichen Pfad zurück gefunden.


:::02 In wie weit unterscheidet sie sich von den bisherigen Veröffentlichungen?

Sicher hört man vorerst beim Abspielen der neuen EP Ryan Davis pur. Das sagen meine Freunde, egal was für entfremdete Stücke ich ihnen präsentiere: "Das klingt zwar anders, aber doch so sehr nach Dir"
So etwas zeigt auch, dass sich eine Linie durch meine Werke zieht, etwas mit Wiedererkennungswert. Stücke wie Gyration oder auch Collider sind 100% Ryan Davis. Sie enthalten etwas, das ich noch vom Album mitgenommen habe, was mich immer wieder fesselt - Klanggebilde, die ich mir nie Überhören kann. Die etwas "anderen" Stücke sind für mich Ghosts und Drone. Ghosts ist klar und dreckig zugleich, ein Tsunami, der mit all seiner Kraft immer weiter aufs Land zurollt und dennoch gesetzt wirkt. Hier klingt es nach Ryan Davis mit einer sehr kräftigen Note. Drone ist das "unterschiedlichste" Stück. Die kleinen Frickeleien und Veränderungen sind geblieben, der Klang jedoch ist verändert, trockener weniger verträumt sondern mehr konzentriert, zielstrebiger und eindringlicher. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht das Stück zu komponieren.


:::03 Nach etlichen Release und Remixen kam das erste richtige Solo album….damit zieht man andere Menschen an..was kam zurück?`

Die Reaktion auf das Album war fantastisch. Das Album als Ganzes wurde akzeptiert und angenommen, nicht nur die tanzbareren Stücke sondern die Gesamtheit des Albums hat gewirkt. Auf dem ein oder anderen Gig einen Fan bewaffnet mit Album und Marker zu treffen, um das Werk mit meiner Unterschrift noch als Sammlerstück zu veredeln, war schon etwas ganz besonderes. Ob in Australien, Japan oder Frankreich. So nah meine Stücke den Clubs sind, so fern sind sie ihnen mit ihren Harmonien, Gefühlen und Kompositionen. Eine Kombination die mich nach Meinung verschiedener Follower zum "Liebhaber-Act" machen. Musik für die man sich Zeit nehmen sollte, sich öffnen muss um es vollkommen auszukosten.


:::04 Wie hat das Album deine Wahrnehmung von dir selbst in Bezug die weltweite Elektronik-Szene verändert, wie und was hat sich für dich danach verändert?
:::Hat das Album Einfluss gehabt auf deine EP - wenn ja, wie?

Das Album war eine wundervolle Plattform um eine Retrospektive meines Sounds zu erschaffen. Gleichzeitig aber auch das volle Spektrum meiner Wahrnehmung von elektronischer Musik zu dieser Zeit widerspiegelte. Man kann die neue EP definitiv als Anschluss an das Album sehen und wird hier vertraute, lieb gewonnene Elemente wieder erkennen aber auch Neues entdecken. Es befinden sich neue Elemente auf der Platte, die ich durch Kollaborationen und differenzierten hören nach dem Album erworben bzw. gewonnen habe. Ich denke das kann man fühlen, das wird sich sicher noch weiter entwickeln.


:::05 Was hat Ryan Davis in den letzte Monaten gemacht,: Sound Forschung? Soziale Verbindungen gestärkt, viel gespielt - oder wenig und mehr im Studio gewesen?

In den letzten Monaten habe ich mich auf Dinge konzentriert, die mich als Mensch interessieren. Ich habe bewusst eine "Pause" von der Musik gemacht, weniger Produziert, weniger Musik gehört. Ich habe schöne Gigs weltweit gespielt aber mich nicht "überspielt" mir Zeit genommen für Kooperationen und Menschen; für Projekte aber auch schöne Unterhaltungen und Gespräche.
Ich habe mit Fieldrecording angefangen, was sehr spannend ist. Mit Kopfhörer und hochempfindlichen Mikrophonen in der Hand kann man noch mehr hören, nimmt Geräusche und seine Umgebung detaillierter und anders wahr. Daraus dann Klänge oder Atmosphären zu erzeugen ist etwas Einzigartiges.


:::06 Hat sich was im Studio verändert? … was hat Einfluss genommen auf Deinen Sound? Das kann alles seine: Gesellschaftliches, Literatur, andere Musiker die eine beeinflussen...

In meinem Studio hat sich nichts großartig verändert. Ich spiele nun mehr intuitiv über Midikeyboards ein oder nehme Drums mit pads auf, um noch mehr Lebendigkeit zu erzeugen. Im Gegensatz dazu habe ich mich mit Themen wie Humanität, wirtschaftlichen & menschlichen Missständen oder auch dem Umgang mit anderen Lebewesen und der Natur beschäftigt. Etwas das unserer Wahrnehmung durch Ignoranz und unterdrückter Information entgeht. Dinge die wir als normal ansehen aber vielleicht mit einem Perspektiv-Wechsel sich völlig verändern.
Deshalb auch der Titel meiner neuen EP "State of Mind" - Gewohnheiten in Frage stellen, Gedanken hinterfragen. Welche Geister spuken in uns und bewirken einen Nebel über bestimmten Tatsachen.
Die "Drone" als Alles überwachendes Auge - in der Realität als Kamera, Trojaner oder Staatssicherheitsdienste mit Blick auf unsere Handy´s oder Computer - bis hin zum Unter-Ich jeder einzelnen Person, die entscheidet was gut oder schlecht ist.
"Gyration" die Rotation als ständige Veränderung unserer Wahrnehmung durch Informations Entzug, Fehl-Information oder Zugabe von Informationen und neuen Erkenntnissen. Schließlich der Zusammenstoß "Collider" der Gedanken, Meinungen und verschiedenen Wahrnehmungen. Ein sehr wichtiges Thema für mich im Moment und eine Erklärung für meine Titelfindung!
Die Idee zum Cover stammt übrigens vom Rorschach Test, welcher bestimmte psychische Geisteszustände von Menschen ausschliesslich durch Bilder ermitteln kann - eine interessante Methode.


:::07 Was sind eine Ideen für die nahe Zukunft? Eine weiteres Album... auf TRAUM?

Für die Zukunft sind tatsächlich Änderungen im Studio vorgesehen, ich möchte mehr mit analogen Maschinen arbeiten und intuitiver agieren als mit Maus und Computer. Das kann eventuell auch den Sound in völlig andere Bahnen leiten. Darauf bin ich sehr gespannt. Ich kann mir auch vorstellen das Ganze als live Performance zu übertragen, wenn es soweit ist.
Bis dahin kann alles passieren und alles ist möglich, klangtechnisch und auch menschlich. Das ist ja das Spannende, was letzen Endes auch für neue Ideen sorgt. Inwiefern ich für ein weiteres Album bereit bin, wird sich also erst durch den Prozess und noch unvorhersehbare Ereignisse selbst zeigen. Aber vorstellen kann ich mir das durchaus!




















Ryan Davis at The Rooftop - Haifa, Israel 

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